ARTISET 10/11 I 2024 27 Aktuell Die Messe Swiss Abilities zeigt Wege auf, wie Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen zu grösserer Selbstständigkeit finden. Zudem erfahren im Messezentrum Luzern auch Kinder und Erwachsene ohne Behinderung, wie es sich anfühlt, wenn man auf eingespielte Fähigkeiten verzichten müsste. Von Christian Bernhart Das Angebot im Luzerner Messezentrum auf der Allmend am 29. und 30. November richtet sich zunächst an jene, die mit ihren Behinderungen den Alltag meistern, sich jedoch erkundigen wollen, ob es neue Errungenschaften gibt, die es ihnen erleichtern, ihr Leben noch besser zu gestalten. «Viele Menschen sind sich nicht bewusst darüber, welche Fortschritt in den letzten Jahren gerade im Bereich der Mobilität stattgefunden haben», sagt Christoph Sommer (52), ehemaliger Swiss-Paralympic- Marathonläufer. Als Botschafter von PluSport, dem Dachverband des Schweizerischen Behindertensports, führte Sommer in den letzten Jahren mehrmals Schulklassen durch die zwei Hallen der Messe. Von Swiss Abilities ebenfalls angesprochen werden nämlich Menschen jeden Alters, die selten oder noch nie direkten Kontakt mit Menschen mit Behinderungen hatten. Christoph Sommer erlebte, wie während des Messrundgangs die Kinder neugierig ihre Fragen an Menschen richteten, die auf Prothesen angewiesen oder nur im Rollstuhl mobil sind. Bereitwillig Antworten zu erhalten ist das eine, das andere ist, selbst auszuprobieren, wie es sein könnte, wenn man zum Beispiel das Augenlicht verliert. «Wir ermöglichen bewusst den Perspektivenwechsel an der Messe», sagt Messeleiterin Barbara Kretz, «indem alle Besuchende Hilfsmittel ausprobieren und sich dadurch mit verschiedenen Behinderungen auseinandersetzen können.» Dieses Jahr werden Besucherinnen und Besucher in der Zone «Gemeinsam sehen wir mehr» erfahren, mit welchen Herausforderungen sich blinde und sehbehinderte Personen täglich befassen. Ein spezielles Erlebnis bietet auch die Backstube, wo Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam unter Anleitung Backwaren herstellen und dabei einander ohne Barrieren in die Hand arbeiten. Von Swiss Handicap zu Swiss Abilities Die alle zwei Jahre auf Menschen mit Behinderungen sowie Fachpersonen ausgerichtete Messe findet nun zum siebten Mal statt und diesmal nicht mehr unter dem Namen Swiss Handicap, sondern unter Swiss Abilities. Zur Änderung des Messenamens meint Barbara Kretz: «Nicht mehr primär von Handicap, von Behinderungen und Einschränkungen, zu reden, diese Thematik hat sich in den letzten zehn Jahren stark entwickelt. Heute will man vielmehr die Möglichkeiten und Befähigungen in den Vordergrund stellen.» Die Namensänderung trage diesem Anliegen Rechnung. Zudem werden an der diesjährigen Messe die blinden und sehbehinderten Personen beim selbstständigen Rundgang durch die Messe mit einem neuen Angebot unterstützt. Über die «blindFind»-App können sie sich nach dem gesuchten Stand oder der nächsten Toilette erkundigen. Dabei werden sie von Klopfgeräuschen aus Lautsprechern in der Halle zum gewünschten Ort geführt. Zu entdecken und zu testen gibt es an den Ständen von gut 100 Ausstellern eine ganze Menge. Zum einen im Bereich der Mobilität: von raffinierten Elektromobilgeräten, Scootern oder Rollstühlen (etwa dem Comfygo «Wir ermöglichen bewusst den Perspektivenwechsel an der Messe, indem alle Besuchenden Hilfsmittel aus- probieren können und sich dadurch mit verschiedenen Behinderungen auseinandersetzen können.» Barbara Kretz, Messeleiterin
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