ARTISET Magazin | 4-5 2022

40  ARTISET 04/05 I 2022 «So ungefähr alle fünf Jahre sollte die Feuerwehr eine Übung in einer Institution durchführen», sagt Bassler. Die Blau- lichtorganisationen sollten die Notfallkonzepte der Heime kennen. «Es genügt nicht zu hoffen, dass Feuerwehr, Sanität und Polizei dann schon wissen, was zu tun ist.» Tatsächlich liegt die Verantwortung für die Sicherheit in einer Institution bei der Institutionsleitung. Die Mitarbei- tenden sind zwar nicht dafür zuständig, Menschen aus dem Gebäuden zu evakuieren – das macht in der Regel die Feu- erwehr –, doch die Institution hat mit der Gemeinde und anderen Institutionen Pläne bereitzustellen, was mit den Menschen nach einer Evakuierung passiert, konkret: wo sie untergebracht werden. Bassler sagt lakonisch: «Wenn die Menschen einmal aus dem Gebäude raus sind, ist das Pro- blem nicht gelöst.» Christian Bassler war selbst einmal Sicherheitsverantwort- licher eines Spitals. Er weiss aus Erfahrung, dass für die Verantwortlichen von Gesundheits- und Sozialinstitutionen die Katastrophenvorsorge nicht zuoberst auf der Prioritäten- liste steht. Gerade darum empfiehlt er den Institutions­ leitungen, sich von Fachleuten bei der Ausarbeitung von Notfallkonzepten beraten zu lassen. Denn im Schadensfall kann die Leitung einer Institution haftbar gemacht werden, wenn gesetzliche Vorgaben nicht umgesetzt sind. Darum, sagt Bassler, müssen Sicherheitsverantwortlichkeiten defi- niert, Organisation und Zuständigkeiten festgelegt werden. Zudem sollen Vorgaben und Umsetzungsrichtlinien für Qualitätsmanagement, Ausbildung und Instruktion aller sicherheitsrelevanten Themen, wie auch die Periodizität der regelmässigen Überprüfung undWirkung der Massnahmen festgelegt und dokumentiert werden. Am wahrscheinlichsten ist in unseren Breitengraden ein Brandereignis. Hochwasser steht zwar auch im Gefahren­ kataster, aber davon sind zumeist nur Teile eines Gebäudes oder eines Gebäudekomplexes betroffen. Und Erdbeben, die eine Evakuierung nötig machen würden, sind vernach­ lässigbar selten – ebenso terroristische Angriffe. Christian Bassler empfiehlt darum, die Sicherheitskonzepte vor allem auf Brandereignisse zu fokussieren. «Brände», sagt Bassler, «sind unberechenbar.» Gerade darum sei es wichtig, mögli- che Szenarien zu supponieren. Mit den Bewohnerinnen und Bewohnern? «Nein, das muss nicht in jedem Fall sein, das kann man oft trocken üben oder mit Statisten.» Wichtig sei, dass die Feuerwehr sich im Notfall auskennen und dass sie von der Heimleitung gut angewiesen werde. Das Schweizerische Büro für integrale Sicherheit SBIS entwickelt für bestehende oder neue Gebäude Sicherheits- konzepte, welche die organisatorischen, personellen, tech- nischen, baulichen und finanziellen Auflagen berücksich­ tigen. Heime können sich ans SBIS wenden, wenn sie ihre Sicherheitskonzepte erarbeiten oder anpassen möchten.  «Alle fünf Jahre sollte die Feuerwehr eine Übung in einer Institution durchführen.» Christian Bassler, Experte beim Büro für integrale Sicherheit Bei einem Brand Anfang März wurden Teile des Al- tersheims Thüringenhaus in der Solothurner Altstadt zerstört. Die Evakuierung funktionierte tadellos.

RkJQdWJsaXNoZXIy NDQzMjY=