ARTISET Magazin | 4-5 2022
44 ARTISET 04/05 I 2022 Aktuell ARTISET Bildung Weiterbildung Abendweg 1, Postfach, 6000 Luzern 6 T +41 41 419 01 72 wb@artisetbildung.ch artisetbildung.ch/weiterbildung Ich gehe meinen Weg mit einer Weiterbildung . Natürlich bei ARTISET. artiset_ins_pflege_fz_85x130_03-22.indd 2 07.03.22 11:17 Anzeige dem Austritt getan, man muss sich dafür Zeit nehmen. Es handelt sich um einen längeren Prozess, damit jemand emotio nal wirklich vorbereitet ist. Wenn der Prozess gelingt, dann gibt dies Sicherheit für die neue Situation. Was macht einen guten Abschied aus? Dazu gehören Dankbarkeit und Stolz über das, was man erreicht und gelernt hat, aber auch die Reflexion darüber, was nicht so gut gelaufen ist. Und zum anderen geht es darum, sich bewusst zu machen, wie gut man auf das Leben nach dem Heim vorbereitet ist, in welchen Bereichen man vielleicht auch weitere Hilfen braucht. Ganz wichtig ist ein guter Abschied im Übrigen auch, wenn es zu einem vorzeitigen Abbruch kommt. Sie sprechen hier die Systemsprin- ger an, die von einem Heim ins nächste kommen? Abbrüche sind immer schwierig und wir ken sich sehr negativ auf die soziale Teil habe im Erwachsenenalter aus, wie auch unsere Ergebnisse eindrücklich zeigen. Besonders dann, wenn sie nicht aufgear beitet werden und sich häufiger wieder holen. Auch bei einem Abbruch braucht es einen guten Abschied. Ein gelingender Neustart ist nur möglich, wenn man ge nau analysiert, was am alten Ort nicht funktioniert hat. Dies gilt im Übrigen auch beim Abschied von der Familie. Es ist sehr wichtig, dass man die erste stati onäre Massnahme sehr gut vorbereitet. Zurück zu den Careleaverinnen und Careleavern: Nach Erreichen der Volljährigkeit ist es für viele alles andere als einfach, sondern schwie- rig, an die eventuell nötige Hilfe heranzukommen? Wenn die Hilfe nach der Volljährigkeit beendet ist, braucht es heute in der Schweiz sehr viel, um wieder in das Hilfe system zu gelangen. Es macht volkswirt schaftlich aber wenig Sinn, eine qualita tiv hochstehende Heimerziehung zu finanzieren und danach zu riskieren, dass es zu Rückschritten kommt. Manch mal sind Betroffene nur auf punktuelle Hilfen angewiesen, zum Beispiel, wie man mit dem Arbeitgeber in einer schwierigen Situation umgehen soll. Ich würde mir zudem wünschen, dass Care leaverinnen und Careleaver nach der Volljährigkeit bei einer Behörde einen festen Ansprechpartner haben. In Kanada ist das zum Beispiel der Fall. Wo sehen Sie aufgrund der Studien ergebnisse den grössten Hand- lungsbedarf? Der grösste Handlungsbedarf besteht darin, dass man sich mehr Zeit nimmt, um die Hilfen einzuleiten, gerade auch die erste stationäre Massnahme. Die Einleitung einer Fremdplatzierung ist ein sehr heraus fordernder Prozess für jede Familie. Da mit lässt sich dann auch eine gute Ge schichte vonseiten der jungen Leute über diese Hilfe vorbereiten. Wenn es gelingt diese Hilfen gut und partizipativ einzu leiten, wird sie auch erfolgreich sein. Und sobald eineMassnahme zu Ende geht, geht es darum, den Abschied vorzubereiten und so einen guten Neustart zu ermöglichen und natürlich Abbrüche zu vermeiden. Und schliesslich geht es, wie gesagt, darum, für die Zeit nach der Volljährigkeit nieder schwellige Hilfen anzubieten. * Marc Schmid, Jahrgang 1971, ist Leitender Psychologe an der Klinik für Kinder und Ju- gendliche der UPK Basel, Dipl.-Psych. und Psychologischer Psychotherapeut, Famili- entherapeut und Supervisor. Seine For- schungsgruppe an der Universität Basel rea- lisierte unter anderem die vom Bundesamt für Justiz geförderten Modellversuche Abklärung und Zielerreichung (MAZ), Traumapädagogik und «Jugendhilfeverläufe: Aus Erfahrung ler- nen (JAEL)».
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