ARTISET Magazin | 4-5 2022

ARTISET 04/05 I 2022  45 Aktuell Noch zu häufig würden Menschen mit einer Behinderung bei einer medizinischen Konsultation nicht auf Augenhöhe mit einbezogen. Sie würden sich darum oft übergangen füh- len, sagt Konrad Stokar. Das müsse sich ändern – und zwar sofort. Stokar hat selbst die Erfahrung gemacht, dass er als Mensch mit einer Einschränkung von Ärztinnen oder Ärzten nicht für voll genommen wurde. Konrad Stokar ist Präsident des Vereins bedürfnisgerech- te medizinische Versorgung für Menschen mit geistiger und/ oder mehrfacher Behinderung (VBMB). Der Verein fordert: Angemessene Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderungen jetzt! Die im März 2022 veröffentlichte Re- solution moniert, dass Menschen mit Behinderungen im Schweizer Gesundheitssystem «klar benachteiligt werden». Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Wo genau gehandelt werden müsse, formuliert die Reso- lution in 10 Forderungen, die an Bundesrat und Gesund- heitsdirektor Alain Berset und an die verantwortlichen Ge- sundheitsdirektionen in den Kantonen adressiert ist. In seiner Resolution stützt der Verein sich auf die Artikel 25 (Gesundheit) und Artikel 26 (Habilitation und Rehabili- tation) der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Der Verein hat in basisnahen Befragungen und Workshops untersucht, wie es um die Versorgung von Menschen mit Behinderungen im Schweizer Gesundheitssystem steht. Zu Wort kamen Selbstbetroffene, Angehörige und Fachpersonen. Der VBMB kritisiert nach seiner Untersuchung, dass Pa- tientinnen und Patienten mit einer körperlichen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigung in der Arztpraxis oder im Spital von Fachpersonen oft übergangen werden. Diesen fehle das spezifische Fach- und Erfahrungswissen für die adäquate Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behin- derungen. Auch reichten die für medizinische Leistungen für Menschen mit Behinderungen vorgesehenen finanziellen und zeitlichen Ressourcen nicht aus. Ausserdem seien Men- schen mit Behinderungen mit Barrieren in der Zugänglich- keit der medizinischen Leistungen konfrontiert. Und schliesslich würden die medizinischen Leistungen den spe- ziellen Umständen der Betroffenen oft nicht gerecht. Der Verein folgert: ■ Die Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinde- rungen in der Schweiz ist unbefriedigend. ■ Die Situation muss jetzt verbessert werden. Der Zeitpunkt der Resolution ist nicht zufällig: ImMärz hat sich der Ausschuss der UN-BRK über deren Umsetzung in der Schweiz geäussert. Thema war dabei auch die Gesund- heitsversorgung der Menschen mit einer Behinderung. Begegnung auf Augenhöhe Menschen mit einer Behinderung fordern eine Gesundheits­ versorgung, die ihren Bedürfnissen angepasst ist. Das verlangt eine Resolution des Vereins bedürfnisgerechte Versorgung für Menschen mit geistiger und/oder mehrfacher Behinderung (VBMB). Von Urs Tremp

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