ARTISET Magazin | 4-5 2022
ARTISET 04/05 I 2022 9 redline-software.ch liv.bs.ch Jeder Mensch ……..lebt anders. ……..ist anders als andere Menschen. ……..kann etwas anderes. ……..will etwas anderes. ……..braucht etwas anderes. Deshalb sieht auch das Leben von jedem Menschen anders aus. LIV Leben in Vielfalt, Basel. Salome Durst Alltagsbegleiterin LIV Anzeige schliesslich ein Projekt innerhalb der Initiative Berufs bildung 2030 entsteht, das erste im Übrigen, das sich der Berufsbildung von Menschen mit Behinderung annehmen würde. Skepsis gegenüber gesetzlicher Regelung Ohne die Ergebnisse der Verhandlungen in irgendeiner Weise vorwegnehmen zu wollen, meint Daniel Duttweiler von Seiten des Bundes: «Für uns ist vor allem wichtig, dass Menschen mit Behinderung einen national lesbaren Ab- schluss haben.» Duttweiler ist Leiter Ressort Berufsbildungs- politik im Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Bevor man jetzt aber gleich bestimmte Massnahmen einfordere, müsse man in einem ersten Schritt zunächst abklären, was sich bis jetzt bewährt habe und wo die Probleme lägen. Eine Alternative zu einer gesetzlichen Regulierung sieht Duttweiler etwa darin, den Handlungsspielraum des aktuel len Gesetzes noch besser auszunutzen. Konkret nimmt er auf das Anrecht Bezug, dass Auszubildende, die den EBA-Abschluss nicht schaffen, ihre Kompetenzen indivi duell bestätigen lassen können. «Die Arbeitnehmenden könnten im Dialog mit den Arbeitgebenden darauf hin wirken, dass solche Kompetenznachweise in verschiedenen Branchen tatsächlich erstellt werden.» Solche in enger Zusammenarbeit mit den Branchen er- arbeiteten Kompetenznachweise und weitere Bescheinigun- gen seien innerhalb der Branchen anerkannt und lesbar, so Duttweiler. Und zwar auch ohne formale Regelung im Ge- setz. Das staatlich verantwortete Berufsbildungssystem habe vor allem die Aufgabe, die auf dem Arbeitsmarkt nach gefragten Ausbildungen gesetzlich zu regeln und Brücken in diese Ausbildungen zu bauen. Die Organisation und die Finanzierung aller anderen beruflichen Ausbildungen lägen indes in der Verantwortung der einzelnen Branchen, ist er überzeugt. Ganz ähnlich wie der SBFI-Vertreter hält auch Nicole Meier, Ressortleiterin Bildung und Berufliche Aus- undWei- terbildung beim Schweizerischen Arbeitgeberverband (AGV), fest, dass das hiesige Berufsbildungssystem auf die Erfordernisse des Arbeitsmarktes ausgerichtet ist. «Für einen nationalen Ausweis muss sichergestellt sein, dass die erlang- ten schulischen und praktischen Kompetenzen arbeitsmarkt- nah sind», sagt Meier. Die berufliche Grundbildung mit EBA erfülle diese Voraussetzungen. Es sei aber fraglich, wie niederschwellig eine Ausbildung sein könne und dennoch eine Arbeitsmarktfähigkeit garantiert sei. Die Individuellen Kompetenznachweise sowie Branchen- zertifikate seien eine gute Alternative für Menschen mit Behinderungen. Gegenüber verbindlichen, in einemGesetz geregelte Bestimmungen ist Nicole Meier eher skeptisch. Die Branchen müssten die Freiheit haben, solche Nachweise entsprechend ihren tatsächlichen Bedürfnissen zu ent wickeln. «Andernfalls kann es passieren, dass die Abschlüsse und Kompetenzen zwar staatliche gewünscht, jedoch von den Arbeitgebenden nicht eingeordnet werden können.» Gerade im Bereich von Menschen mit Behinderung spricht sich Nicole Meier für individuelle Lösungen aus, um weder das System noch die Menschen mit Behinderung zu überfordern. Organisationen und Verbände übernehmen hier eine wichtige Aufgabe, was «sehr gut funktioniert». Meier: «Dank dem Engagement von Privaten und Sozial- partnern ist es in der Schweiz möglich, viele Bedürfnisse aufzunehmen.» «So wie es jetzt läuft, ist es gut», meint kurz und knapp Christophe Nydegger, Chef im Amt für Berufsbildung Kanton Fribourg und Präsident der Schweizer Berufsbil- dungsämterkonferenz (SBBK). «Für die meisten gibt es eine Lösung.» Er spricht damit auf den Nachteilsausgleich sowie die Zusammenarbeit mit den von den Kantonen und der IV mitfinanzierten Ausbildungszentren an.
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