Partizipative Führung hat Zukunft | Magazin ARTISET | 6 2022

ARTISET 06 I 2022  11 Im Fokus Die unterschiedlichen Methoden und Modelle von Agilität haben gemeinsam, dass die Verantwortung für Entscheide jenen Personen übertragen wird, die davon betroffen sind. Martin Diethelm* von der Beratungsgruppe für Verbands-Management erläutert die Grundprinzipien – und zeigt deren Bedeutung gerade für Non-Profit-Organisationen auf. Interview: Elisabeth Seifert «Mitarbeitende wollen eingebunden werden» Herr Diethelm, agile Arbeits- und Organisationsformen liegen im Trend. Wie erklären Sie sich das? «Agil» heisst zunächst einfach einmal «be- weglich». Bezogen auf die Unterneh- menswelt bedeutet dies, wegzukommen von starren, auch sehr hierarchisch ge- prägten Arbeitsorganisationen, hin zu beweglichen, für eine bestimmte Situati- on erforderlichen Formen der Organisa- tion von Arbeit. Das bisherige Manage- mentverständnis wird von unserer Generation, die ganz anders sozialisiert worden ist, generell in Frage gestellt. Mit- arbeitende wollen in Entscheide mit ein- gebunden werden und ihre Arbeit stärker selber organisieren können. Beweglichkeit ist gerade auch in unserer rasch sich verändernden Welt gefordert? Unsere traditionellen Organisations- strukturen sind tatsächlich immer weni- ger geeignet, mit einer volatilen, unsiche- ren, komplexen und mehrdeutigen Welt, der sogenannten Vuka-Welt, umzugehen. Unternehmen müssen sich jeden Tag auf etwas Neues einstellen. In einer rasch sich wandelnden Welt sind von den Unter- nehmen rasche Antworten gefordert. Mit agilen Arbeits- und Organisationsformen versucht man eine Antwort zu finden. Wie würden Sie Agilität als Begriff in der Unternehmenswelt etwas ge- nauer umschreiben? Es gibt hierzu eine Vielzahl von Defini- tionen. Es gibt auch unterschiedliche Methoden und Modelle. Gemeinsam ist all diesen Vorstellungen, dass die Verant- wortung für Entscheide jenen Gruppen und Personen übertragen wird, die davon betroffen sind und somit eben rasch ent- scheiden und agieren können. Man traut diesen Menschen zu, dass sie die richtigen, effektiven Entscheidungen für ihre Her- ausforderungen treffen. Führungsperso- nen müssen sich davon verabschieden, immer alles selbst entscheiden und kont- rollieren zu wollen. Das Pflegepersonal in einem Pflegeheim zum Beispiel, das tagtäglich mit den Bewohnenden zu tun hat, weiss am besten, was zu tun ist. Die direkt involvierten Mitarbeiten- den können richtig und auch sehr schnell auf neue Entwicklungen re- agieren? Ja, sicher. Das Managementverständnis und die Art, wie Organisationen funk- tioniert haben und oft immer noch funktionieren, ist bereits 100 Jahre alt. Sie orientieren sich am Organisations­ modell von Frederick Taylor, wo Prozes- sabläufe von einem arbeitsvorbereitenden Management detailliert vorgeschrieben und genauso ausgeführt werden müssen. Solche Organisationen sind in unserer heutigen komplexen Umwelt zu

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