Partizipative Führung hat Zukunft | Magazin ARTISET | 6 2022

ARTISET 06 I 2022  7 Die Veränderungen in den Heimen Kriens AG hatten sich seit vielen Jahren angebahnt. Die Häuser Zunacher 1 und 2, Grossfeld und Kleinfeld sollten sich zum erweiterten Le­ bensraum für ältere Menschen wandeln. Die 2020 und 2021 eröffneten dezentralen Pflegewohngruppen Lindenpark und Adagio wurden von Anfang an agil gestaltet, als Orte, an denen Selbstwirksamkeit, Wertschätzung, sinnzentrierter Alltag und aktive Mitgestaltung zählen. Und die den zuneh­ mend jüngeren Mitarbeitenden viel Partizipation, Transpa­ renz, Austausch und Autonomie ermöglichen – und damit Handlungsspielraum in der Arbeit. Eine offene Struktur war schon seit Jahren eine Grundhaltung, 2021 sollten definitiv kollegial geführte Teams die flach hierarchischen Strukturen ablösen. Ein nicht ganz einfaches Vorhaben für eine Institu­ tion mit 314 Bewohnenden und über 400 Mitarbeitenden in 14 Wohn-/Lebensbereichen und Teams aus Küche, Tech­ nischem Dienst, Hauswirtschaft und Administration. Damit das in Bewegung kommt, braucht es kreative Köpfe, aber auch einen Verwaltungsrat und einen Institutionsleiter, die hinter dieser Vision stehen. Guido Hübscher, Leiter Heime Kriens AG, unterstützt die neue agile Organisation vollauf: «Wir beziehen Mitarbeitende und Bewohnende wo immer möglich in Entscheide und Veränderungsprozesse mit ein», sagte er schon 2019, als er den ersten Preis des «Swiss Arbeitgeber Awards» entgegennahm. Mitarbeitende gut an Bord holen «Tatsächlich lässt sich eine kollegial geführte Organisation nicht so einfach überstülpen», erklärt Bart Staring. Er und sein Kollege Zoran Nacev sind heute im «Koordinationskreis Pflege und Betreuung» mitverantwortlich für personelle Angelegenheiten, Bildung, Entwicklung und fachliche Un­ terstützung. Gemeinsam haben sie intensiv Ideen von agilen Organisationen, Arbeitsinstrumenten und Hilfsmitteln ge­ sammelt und überlegt, was in ihrer Organisation Sinn macht. «Wir standen immerhin vor der Challenge, die Organisation neu zu gestalten und damit die Lebensqualität auf allen Ebe­ nen weiter zu fördern», sagt Staring. Um das aufzugleisen, suchten sie punktuell Unterstützung bei einem externen Organisationsberater. Und im Alltag halfen immer wieder strategische Überlegungen: Bei Pensionierungen suchten die Verantwortlichen ganz bewusst nach initiativen Fachkräften, die die neuen Ideen mittragen würden. Ausserdem sollte eine sinnvolle und gut abgestimmte Kommunikation den Prozess unterstützen und die Mitarbeitenden – nicht alle von Anfang an begeistert – gut an Bord holen. Aus diesem Grund suchten Staring und Nacev nach möglichst einfach praktikablen, auf das Wichtigste reduzierten Lösungen. «Wir haben uns bewusst für das Kanban-System entschie­ den», erklärt Nacev: «Dieses System mit farbigen Klebezet­ teln ist unkompliziert anzuwenden und lässt viel Spielraum.» «Flexibilität, Lebendigkeit und Miteinander» Wie sie den definitiven Schritt konkret angepackt hätten? «Im Vorfeld haben wir gemeinsam das Leitbild entwickelt und alle Perspektiven visualisiert», erklärt Bart Staring. Zeit­ gleich habe sich der Verwaltungsrat zusammen mit einem internen Kreis von Mitarbeitenden mit der neuen Strategie beschäftigt und Visionen für diese neue Form des Zusam­ menlebens und -arbeitens formuliert. «Dieser Paradigmen­ wechsel, bei dem wir uns am Menschen orientieren, führte zum Modell ‹kollegial geführte Organisation›.» Daraus re­ sultierten vier Themenkreise: Im Zentrum die Inhaberin Heime Kriens AG und der Verwaltungsrat, drumherum die Koordinations-, Dienstleistungs- und Geschäftskreise. In­ nerhalb dieser Kreise sind die Aufgaben nach Fähigkeiten und Ressourcen verteilt. Inzwischen haben sich Hilfsmittel wie die Kanban-Tafel, Standig up, Timebox, themenzentrierte Kreise und teamin­ terne agile Coaches mehrheitlich gut in den Arbeitsalltag eingefügt. Es hab sich gezeigt, dass mehr Austausch inner­ halb der Themenkreise stattfindet als in der vorherigen Orga­ nisationsform, sagen Staring und Nacev übereinstimmend. Aber die Entwicklung brauche Zeit. Nacev sagt: «Es ist daher wertvoll, keinen konkreten Zeitplan zu erstellen, sondern dem Prozess Raum und Zeit zu geben.» Die Handlungs­ spielräume seien kreativer geworden, die Verantwortung breiter abgestimmt. Die Teams, so hören sie, schätzen die Flexibilität und Lebendigkeit und das Miteinander. Das Zukunftsziel? «Wir wollen den Lebensraum, die Kommunikation, die sozialen Beziehungen und den Gestal­ tungsspielraum weiter fördern», sagt Bart Staring. Das lasse Raum für einen sinnstiftenden, gemeinsam gestalteten Alltag. «Und damit erreichen wir, dass sowohl die Lebens­ zufriedenheit der älteren Menschen als auch die Arbeitsfreu­ de der Mitarbeitenden hoch ist.»  Die Heime Kriens AG, LU, hat sich im Lauf der letzten Jahre von einer flach hierarchischen Institution zu einem agilen, kollegial geführten Unternehmen entwi­ ckelt. Seit 2021 ist diese Entwicklung im Organigramm ersichtlich: Es verläuft nicht mehr von oben nach unten, sondern in Kreisen von innen nach aussen. Von Claudia Weiss Wie sich Lebenszufriedenheit und Arbeits- freude im Alltag der Heime Kriens zeigen, lesen Sie auf den folgenden beiden Seiten.

RkJQdWJsaXNoZXIy NDQzMjY=