Partizipative Führung hat Zukunft | Magazin ARTISET | 6 2022

8  ARTISET 06 I 2022 Im Fokus Kanban-Sitzungen, aktive Mitsprache und neue flexible Strukturen: Durch die neue kollegiale Organisations- struktur, die im vorhergehenden Beitrag vorgestellt wurde, ist der Alltag in den Heimen Kriens AG anspruchsvoller geworden, unter den Teams sind mehr Absprachen nötig. Zugleich ist die Zusammenarbeit heute viel lebendiger. Von Claudia Weiss Agiler Alltag bringt mehr Lebensqualität Am Ende der Sitzung hängen an der Wand, die als Kanban-Board dient, neue farbige Zettel: Kanban ist eines der neuen Arbeitsinstrumente der agi- len Organisation Heime Kriens AG, mit seiner Hilfe werden wichtige Infor- mationen für alle zugänglich und über- sichtlich dargestellt. Dank dieser farbi- gen Zettel im ersten Stock des Hauses Zunacher 1 wissen alle Mitarbeitenden, welche Aufgaben heute bei ihnen an- stehen und was sonst im Alltag läuft. Pflegefachfrau Claudia Schlumpf, heu- te Tagesverantwortliche, klebt soeben einen letzten blauen Zettel an die Wand. «Einführung neue MA zur Agi- lität» steht darauf, eine Erinnerung an alle: Wer neu anfängt, muss auch gut in die neue Struktur eingeführt werden und muss wissen, dass aktive Mit­ sprache und kreatives Mitdenken er- wünscht sind und zur Kultur des Hau- ses gehören. Wohlfühlwoche für alle Zum Abschluss des zweimal wöchent- lich stattfindenden Treffens steht eine kurze Vorbesprechung der anstehen- den Wohlfühlwoche an: Diese ver- spricht nicht nur den Bewohnerinnen und Bewohnern Abwechslung, son- dern auch den Mitarbeitenden. Für sie stehen Verwöhnmassagen, eine Smoo- thie-Bar und ein Grillabend auf dem Programm. Die Infozettel dazu kleben bereits, in Blau, also an alle gerichtet. Daneben läuft noch die Aktion Bike-to- work, der Zettel in Gelb zeigt, dass sich der Kolleginnenkreis um dieses Thema kümmert, und in Rot hängen konkrete Aufgaben, die erledigt werden müssen. Das System hat sich bewährt, damit können alle mitreden und Ideen einge- ben, wie Karolina Nicoud sagt: «Zu- dem werden die Ressourcen der Mitar- beitenden stärker eingebunden.» Dies führe zu mehr Interaktion und Poten- zialentfaltung. «Und das wiederum fördert die Kreativität im Alltag und führt zu einer höheren Arbeitszufrie- denheit.» Nicoud hat die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Abteilung, die Pilotgruppe der neuen Organisation, während der letzten zweieinhalb Jahre als Projektbegleiterin Agilität begleitet: Gemeinsam testeten sie, wie sich der Umgang mit den neuen Arbeitsinstru- menten bewährt. «Es war schon ein grosser Prozess», sagt Nicoud rück­ blickend. Im Team probierten die Mitarbeitenden, wie es ist, nicht mehr einen Steckplan mit zugeteilten Be- wohnerinnen und Bewohnern zu ha- ben, den sie abarbeiten können, son- dern sich selbst zu organisieren. Und sich dabei untereinander, aber auch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern abzusprechen und auf deren Wünsche einzugehen. Das sei schneller gesagt als getan, sagt Karolina Nicoud, gerade in der hierarchisch geprägten Pflege. Aus­ serdem habe sich gezeigt: «Mehr Agili- tät bedeutet weniger Stabilität im Sin- ne einer gefühlten Sicherheit.» Mehr Einsatz und mehr Freiheit Claudia Schlumpf beispielsweise, seit 20 Jahren im Altersheim in Kriens tätig, ist zwar mittlerweile begeistert von der agilen Organisation. Anfangs seien ihr allerdings nicht alle Veränderungen so leichtgefallen. «Besonders bei Konflik- ten unter den Mitarbeitenden ist es schwieriger geworden, jetzt müssen wir im Personalkreis gemeinsam eine Lö- sung suchen, allenfalls ein Coaching einfädeln oder anderweitig Unterstüt- zung suchen», sagt sie. Das bedeute, dass sich alle stärker eingeben müssten

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