Innovationen entwickeln und umsetzen

ARTISET 06 I 2023 7 Eine Pflegeexpertin oder ein Pflegeexperte kann mehrere Betriebe betreuen. Und ein Team von mehreren Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten kann diese Betriebe bei verschiedenen Pflegethemen professionell unterstützen. Das ist die Idee von Advacare. Von Elisabeth Seifert Der Firmenname «Advacare» steht verkürzt für Advanced Care, was so viel wie fortschrittliche Pflege bedeutet. Das junge Unternehmen, rund drei Jahre auf dem Markt, ein Start-up im sozialmedizinischen Bereich, hat sich denn auch der fortschrittlichen Pflege verschrieben – und zwar mit dem neuen Versorgungsmodell «mobile Pflegeexpertise». Ein Team mit unterschiedlichen Spezialisierungen unterstützt stationäre und ambulante Einrichtungen der Langzeitpflege dabei, ihre Pflegequalität stetig weiterzuentwickeln. Gründerin von Advacare, Geschäftsführerin und selbst mobile Pflegeexpertin ist Suleika Kummer. «Ich bin eigentlich gar keine Geschäftsfrau», bekennt die 35-Jährige lachend, auch wenn sie sich darüber freut, dass ihre Firma langsam wächst. «Mein Herz schlägt für die Pflege», betont sie. Und zwar ganz besonders für die Langzeitpflege. «Bereits seit meiner Kindheit faszinieren mich ältere Menschen», heisst es auf ihrem LinkedIn-Profil. Nach der beruflichen Grundbildung zur Fachangestellten Gesundheit samt Berufsmaturität arbeitete sie in verschiedenen Institutionen der Langzeitpflege. Es folgte ein Studium der Pflegewissenschaft an der Berner Fachhochschule, das sie mit dem Bachelor abgeschlossen hat. Danach war sie über mehrere Jahre Leiterin Pflegeentwicklung in einer grösseren Institution mit mehreren Standorten. Ausschlaggebend dafür, dass sie im Jahr 2020 mit Advacare den ersten mobilen Pflegeexpertise-Dienst der Schweiz gegründet hat, sei die «Not» gewesen, unterstreicht Suleika Kummer. Sie spricht damit vor allen die Not respektive die Herausforderungen der vielen kleineren und mittleren Institutionen an, mit denen sie an regionalen Netzwerktreffen zu spezifischen Pflegethemen in Kontakt kam. «Obwohl ein grosser Bedarf an professioneller Pflege besteht, fehlt es in diesen Institutionen oft an entsprechend ausgebildetem Fachpersonal.» Und selbst in grösseren Pflegeheimen gibt es häufig keine Pflegeexpertin oder Pflegeexperten mit akademischem Abschluss (Bachelor oder Master). Betriebe können voneinander profitieren Der Fachkräftemangel verbunden mit fehlenden finanziellen Ressourcen erschwert es gerade den vielen kleineren Alters- und Pflegeeinrichtungen sowie Spitex-Organisationen, die zunehmend komplexer werdenden Bedürfnisse der Bewohnenden oder Klienten abzudecken. Für viele Pflegeexpertinnen und -experten mit einer Bachelor- oder Masterausbildung sei zudem die Langzeitpflege – noch – zu wenig interessant, wie Kummer beobachtet. Aktuell arbeiten von den Pflegeexpertinnen oder -experten mit Masterabschluss (=Advanced Practice Nurse APN) gerade mal 8,4 Prozent in einer Langzeitpflegeinstitution und 6,6 Prozent in Spitexbetrieben. Die Literatur zeige indes, so die Advacare-­ Geschäftsführerin, je höher die Zahl der qualifizierten Pflegestunden ist, umso niedriger sind Spitaleinweisungen, Sterblichkeit oder Delir. Und schnell war dann die Idee geboren, ein mobiles Pflegeexpertise-Team zu gründen. «Eine Pflegeexpertin oder ein Pflegeexperte kann mehrere Betriebe betreuen», so Suleika Kummer. «Und ein Team von mehreren Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten kann diese Betriebe in vielen verschiedenen Pflegethemen professionell unterstützen», führt sie den «Multiplikationsgedanken» weiter aus. Zudem kann jeder Betrieb von den Erfahrungen andere Betriebe profitieren, die das Pflegeexpertise-Team ebenfalls begleitet. «Auf diese Weise haben die Leistungserbringer einen geringen Entwicklungsaufwand, sie können grosse Teile von Konzepten übernehmen und ihre Ressourcen damit in die Implementierung investieren», sagt sie – und fügt überzeugt bei: «Vernetzung ermöglicht eine hohe Effizienz. Wenn wir in der Langzeitpflege die Qualität entwickeln und stabilisieren wollen, schaffen wir das nur gemeinsam.» Damit die Betriebe ihre Pflegequalität nachhaltig und stetig weiterentwickeln können, setzt das Geschäftsmodell von Advacare nicht auf Mandate, sondern auf Suleika Kummer ist Gründerin und Geschäftsführerin von Advacare, dem ersten mobilen Pflegeexpertise-Dienst der Schweiz. Foto: Marco Zanoni

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